Der Kreis Groß-Gerau führt EmergencyEye in der Rettungsleitstelle ein und erweitert damit die Notrufbearbeitung um den Video-Notruf. Bei Bedarf erhält die Leitstelle Livebilder vom Einsatzort, präzise Standortdaten sowie eine Chatfunktion mit Übersetzung. Das Ergebnis: schnelleres Lageverständnis, gezieltere Disposition und bessere Kommunikation – auch bei Stresssituationen oder Sprachbarrieren.
Video-Notruf mit EmergencyEye: So funktioniert der Ablauf in der Leitstelle
Der Notruf beginnt weiterhin telefonisch. Der Video-Notruf wird gezielt dann aktiviert, wenn zusätzliche Informationen erforderlich sind.
Der Ablauf in der Praxis:
- Anruf: Die Leitstelle startet das System während eines laufenden Notrufs.
- SMS-Link: Der Anrufer erhält einen Link per SMS und öffnet ihn.
- Freigaben: Kamera- und Standortzugriff werden bestätigt.
- Übertragung: Livevideo und Koordinaten werden in Echtzeit in die Leitstelle übertragen.
EmergencyEye funktioniert ohne App, ohne Installation und ohne Registrierung – browserbasiert. Voraussetzung ist eine Internetverbindung.
Video-Notruf mit Livebildern: Schnelleres Lagebild am Einsatzort
Telefonische Beschreibungen sind in Ausnahmesituationen oft ungenau. Der Video-Notruf schafft in Sekunden ein visuelles Lagebild, das die Einschätzung deutlich objektiver macht.
Typische Beispiele:
- Verletzungen: Sichtprüfung unterstützt die Entscheidung, welche Maßnahmen und welche Rettungsmittel erforderlich sind.
- Verkehrsunfälle: Das Livebild zeigt, ob Personen eingeschlossen sind oder ob es bei Sachschaden bleibt.
- Gefahrenlagen: Hinweise wie austretende Flüssigkeiten oder Gefahrgutkennzeichnungen werden erkennbar, auch wenn sie am Telefon nicht benannt werden.
Chat: Übersetzung und barrierefreie Kommunikation
EmergencyEye integriert einen Chat, der Texte automatisch in eine ausgewählte Sprache übersetzt. Das erleichtert die Kommunikation bei fremdsprachigen Notrufteilnehmern und beschleunigt Rückfragen.
Zusätzlich verbessert der Chat die Barrierefreiheit: Gehörlose Personen können direkt schriftlich mit der Leitstelle kommunizieren – mobil, ohne zusätzliche Verfahren.
Über den Chat lassen sich außerdem Informationen an den Notrufteilnehmer übermitteln, zum Beispiel kurze Hinweise oder Anleitungen.
Standortübermittlung: Präzise Koordinaten für schnelle Hilfe
Parallel zum Livebild liefert der Video-Notruf der Leitstelle genaue Standortdaten. Das reduziert Zeitverlust durch Positionsrückfragen und unterstützt die Einsatzkräfte bei der schnellen Anfahrt – besonders bei Ortsunkundigkeit oder unübersichtlichen Einsatzorten.
Video-Notruf in Großlagen: Unterstützung für Führungsstab und Krisenmanagement
EmergencyEye unterstützt nicht nur einzelne Notrufe. In außergewöhnlichen Lagen – etwa bei großflächigen Unwettern oder Hochwasser – können Einsatzkräfte vor Ort über denselben Mechanismus Bilder oder Videos an Führungsstellen übermitteln. Das verbessert:
- die Lagebewertung,
- die Priorisierung von Maßnahmen,
- die Dokumentation von Entscheidungen.
Datenschutz: Zustimmung, Transparenz, keine Speicherung
Der Video-Notruf entsteht ausschließlich nach aktiver Zustimmung des Anrufers. Die Verbindung wird nicht automatisch gestartet. Die im Einsatz übertragenen Daten werden nicht dauerhaft gespeichert. Die Einführung ist im Kreis Groß-Gerau entsprechend datenschutzseitig abgestimmt.
Video-Notruf reduziert Fehlauslösungen: Einsätze gezielter disponieren
Der Video-Notruf liefert schnell Klarheit, wenn die Lage am Telefon nicht eindeutig ist. Im Probebetrieb wurde beispielsweise eine gemeldete Gefahrenlage per Livebild überprüft und als weniger kritisch eingestuft. Dadurch blieb eine großflächige Alarmierung aus und die Situation wurde passend gelöst. Das reduziert unnötige Einsätze und entlastet Ressourcen.
Quellenhinweis: Basierend auf einem Bericht von Johanna Thaben bei Main Spitze (veröffentlicht am 18.01.2026)