Der Notruf mit Videofunktion kommt in Luxemburg bereits aktiv zum Einsatz, denn seit September 2025 nutzt das Großherzogliche Feuerwehr- und Rettungskorps (CGDIS) die Lösung EmergencyEye®, um Disponentinnen und Disponenten in der Leitstelle eine visuelle Lageeinschätzung in Echtzeit zu ermöglichen. Dadurch erhalten Einsatzkräfte nicht nur verbale Informationen, sondern sie sehen zusätzlich ein Live-Bild der Situation, sodass sie schneller reagieren können.
Über einen sicheren Link stellen Anrufende direkt eine Videoverbindung zur Leitstelle her, weshalb keine App-Installation erforderlich ist und keine technischen Hürden entstehen.
Warum ein Notruf mit Videofunktion Mehrwert schafft
Im luxemburgischen Notrufzentrum gehen durchschnittlich rund 706 Anrufe pro Tag ein, jedoch stellt nicht jeder dieser Kontakte einen tatsächlichen Notfall dar. Viele Menschen wählen die 112 versehentlich oder sie suchen allgemeine Informationen, sodass wertvolle Leitungsressourcen gebunden werden.
Ein Notruf mit Videofunktion schafft hier klare Vorteile, weil Disponenten Situationen nicht nur hören, sondern gleichzeitig sehen. So können sie besser entscheiden:
- Liegt ein echter Notfall vor?
- Welche Einsatzmittel sind erforderlich?
- Wie dringend ist die Lage?
Von den täglichen Anrufen führen im Schnitt etwa 206 zu einem tatsächlichen Einsatz, während der Rest keiner Intervention bedarf. Zwischen dem ersten Kontakt und der Alarmierung vergehen durchschnittlich rund 2,5 Minuten. Wenn Disponenten jedoch zusätzlich visuelle Informationen nutzen, sichern sie ihre Entscheidung ab und gewinnen schneller Klarheit.
So funktioniert der Notruf mit Videofunktion
Sobald Disponenten während eines Gesprächs erkennen, dass eine visuelle Einschätzung hilfreich ist, senden sie einen sicheren Link per SMS an die betroffene Person. Diese öffnet den Link im Browser, woraufhin das Smartphone die Kamera aktiviert und das Bild live in die Leitstelle überträgt. So entsteht eine direkte Verbindung zwischen Einsatzort und Leitstelle, während das Gespräch parallel weiterläuft.
Zusätzlich unterstützt die Software den Einsatz, weil sie mehrere Funktionen kombiniert:
- Chat-Kommunikation parallel zum Gespräch
- KI-gestützte Übersetzung in über 26 Sprachen
- Unterstützung bei der Standortermittlung
Aktuell nutzen Disponenten die Videofunktion zwei- bis dreimal täglich, während sie weitere Erfahrungen sammeln und Prozesse kontinuierlich optimieren.
Digitalisierung rund um den 112-Notruf
Die Verantwortlichen präsentierten die EmergencyEye®-Technologie im Rahmen des Europäischen Tags des Notrufs. Die Lösung ergänzt bestehende Systeme und stärkt gleichzeitig die Entscheidungsqualität im Leitstellen-Alltag.
Im Jahr 2025 registrierte das Notrufzentrum insgesamt 258.000 Anrufe, jedoch führten mehr als 70 Prozent nicht zu einem Einsatz vor Ort. In über 3.400 Fällen lösten Fahrzeugsysteme automatisch Notrufe aus, obwohl keine Verletzten vorlagen. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass ein Notruf mit Videofunktion hilft, Situationen schneller einzuordnen, sodass Leitstellen Ressourcen gezielter einsetzen und unnötige Alarmierungen vermeiden.
Fazit: Notruf mit Videofunktion verbessert die Lageeinschätzung
Das Beispiel Luxemburg verdeutlicht, wie ein Notruf mit Videofunktion die Arbeit in Leitstellen unterstützt, weil visuelle Informationen zusätzliche Sicherheit schaffen. Disponenten treffen fundiertere Entscheidungen, priorisieren Einsätze strukturierter und koordinieren Ressourcen effizienter, während sie gleichzeitig die Reaktionszeit verkürzen.
Mit Blick auf die europäische Entwicklung hin zu Next Generation 112 gewinnt die Integration von Video im Notrufsystem weiter an Bedeutung, denn digitale Technologien stärken sowohl die Einsatzqualität als auch die Effizienz der Notfallkommunikation.